
Correggio in Dresden
Ende Oktober zog es uns wieder nach Radebeul – dorthin, wo unsere Familie ihre Wurzeln hat. Bei Helmut am Küchentisch, mit Kaffee, Kuchen und vielen Geschichten, begann ein Wochenende, das uns noch lange begleiten wird.
Abfischen in Moritzburg
Am Samstag ging es zum Fisch- und Waldfest nach Moritzburg. Jedes Jahr im Herbst werden die Teiche rund um das Schloss abgelassen und abgefischt – eine Tradition, die hier seit Jahrhunderten gepflegt wird. Dicht gedrängt standen die Zuschauer am Ufer, während die Fischer im knietiefen Schlamm die Netze zusammenzogen. Ein Bagger hob die prall gefüllten Netze aus dem Wasser, Karpfen und Hechte landeten zappelnd in großen Becken.

Über allem lag das gelbe Jagdschloss im herbstlichen Licht, dazu der Duft von Räucherfisch und frischem Baumstriezel – Volksfest und Handwerk zugleich.
Die Ledertapeten im Schloss
Am meisten beeindruckt hat uns im Schloss Moritzburg aber etwas ganz anderes: die berühmten Ledertapeten. Die Wände der Säle sind mit geprägtem, bemaltem und vergoldetem Leder bespannt – ein unglaublicher Luxus der Barockzeit. Heute schimmern sie in warmen Braun- und Goldtönen. Wie sie ursprünglich ausgesehen haben, zeigt eine rekonstruierte Bahn in den Originalfarben: leuchtendes Gelb, kräftiges Rot und frisches Grün, Blüten und Ranken in voller Pracht.


Wer die neue Tapete neben der alten sieht, bekommt eine Ahnung davon, wie farbenfroh diese Räume zur Zeit Augusts des Starken gewesen sein müssen. Dreihundert Jahre Licht, Staub und Zeit haben die Farben gedämpft. Gerade dieser Vergleich zwischen damals und heute hat uns lange vor der Wand stehen lassen.
Correggio in Dresden
Der Sonntag gehörte der Kunst. Trotz Nieselregen fuhren wir nach Dresden, vorbei am Kronentor des Zwingers, in die Gemäldegalerie Alte Meister zur großen Correggio-Ausstellung. Antonio Allegri, genannt Correggio, malte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts – und seine Bilder sind voller Zärtlichkeit, weichem Licht und Gefühl.

Bei „Leda mit dem Schwan“ inmitten badender Nymphen scheinen die Figuren fast zu schweben, bei „Venus mit Merkur und Amor“ wirkt die Haut so warm und lebendig, als könnte man sie berühren. Man versteht sofort, warum Correggio Generationen von Malern nach ihm beeinflusst hat.
Zum Abschied
Zum Schluss saßen wir noch einmal bei Helmut zusammen, mit Erdbeerkuchen und viel Gelächter.
Ein Wochenende voller Gegensätze: Schlamm und Gold, Volksfest und Renaissance, verblasste und leuchtende Farben.
Wir kommen bestimmt wieder.
Ja das freut mich sehr,das Ihr alle solchen schönen Urlaub in der Heimat gehabt habt!
Mit lieben Grüßen Ehrenfried und Christiane!