Keine Zeit im Jahr hat mehr Aufbruch inne wie der Frühling. Lass uns in eine neue Zeit starten.
Der Frühling des Auges
Was ist der Frühling dem Fotografen? Nicht Erholung, nicht Versprechen – sondern Versuchung. Der Wille zur Wahrheit verkleidet sich hier in Blüten, in zartes Licht, in jenes erste, zögernde Grün, das lügt wie ein Dichter.
Denn wer die Kamera erhebt, der richtet nicht ab – der begehrt. Er will festhalten, was flieht. Er will zwingen, was sich schenkt. Und darin liegt seine Askese: im Sehen ohne Besitzen, im Bewahren ohne Verstehen.
Der Frühling ist grausam zu denen, die ihn lieben. Er zeigt alles – und entzieht sich. Nur wer den Schmerz des Vergehens kennt, fotografiert wahrhaftig. Alle anderen machen Bilder für den Trost.
